Der große italienische Dichter des Mittelalter, Dante Alighieri, schrieb einst, "Vom Urbeginn der Schöpfung ist dem Wein eine Kraft beigegeben, um den schattigen Weg der Wahrheit zu erhellen." Der 580 vor Christus verstorbene alexandrinische Lyriker Alkaios schrieb es direkter: "In vino veritas!" - Im Wein liegt Wahrheit. Vielleicht hat dies den französischen Journalisten und Schriftsteller Claude Tillier im frühen 19. Jahrhundert zu der Aussage - Essen ist ein Bedürfnis des Magens, Trinken ein Bedürfnis des Geistes - inspiriert. Übrigens, von Tacitus wissen wir, dass die alten Germanen bei Ratssitzungen immer Wein tranken. Sie glaubten schlicht, Betrunkene könnten nicht lügen.
Welchen Wein sie tranken, verrät uns Tacitus nicht. Allerdings können wir vermuten, dass die Rheingauer bei ihren Versammlungen seit dem frühen Mittelalter auf der Lützelaue bei Winkel insbesondere Weine aus eben jenem Ort zu sich nahmen. Die Lützelaue - ob Insel im Rhein oder 'nur' Landzunge (die Forscher und Historiker sind sich seit Jahrhunderten nicht einig) - war nicht nur Ort der Huldigung an den Mainzer Erzbischof, hier erneuerten die Landesfürsten auch die Rheingauer Freiheitsrechte.
Die Villa Gutenberg liegt nicht weit von der Lützelaue. Ein traditionsreiches Winkeler Familienweingut. Richard Nägler jun. ist ein bodenständiger Winzer. Seine Weine sind hochwertige, dezente und zugleich kraftvolle Botschafter des Rheingaus. Weine voller Persönlichkeit, die mit viel Leidenschaft, Geduld und Respekt vor der Natur ausgebaut werden. Trinkbare Heimat!
Jetzt zu Beginn der Karwoche war es langsam Zeit, um sich nach innerlicher, seelischer Reinigung und Kasteiung mit der Weinfrage an Ostern zu beschäftigen. Das Wetter - so die Prognosen - soll sehr ansprechend werden. Ich habe mich daher (auch für meine Gäste) für eine feine Auswahl der Weine von Richard Nägler entschieden. Starke Rotweine - u. a. aus dem Höllenberg, ein wundervoller Kabinett aus dem Rüdesheimer Magdalenenkreuz und ein ausgezeichneter 2018er Sauvignon Blanc. Gespannt bin ich ganz besonders auf den 18er Gewürztraminer.
Johann Wolfgang von Goethe, der oft in Winkel weilte, schrieb in den letzten Zeilen seines Gedichts Osterspaziergang:
"Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
Ich freue mich drauf. Frohe Osterzeit!
Mehr Infos über die Weine des Weinguts ist unter www.villa-gutenberg.de zu erfahren.
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Montag, 15. April 2019
Mittwoch, 7. März 2018
Kladderadatsch
![]() |
| Toni Sender aus Biebrich |
„Die
politische Demokratie befindet sich in akuter Gefahr, wenn sie nicht
von der Wirklichkeit sozialer Gerechtigkeit begleitet wird.“
Treffender könnte die aktuelle Lage nicht beschrieben werden, doch
stammt dieser Satz von Sidonie Zippora Sender, die vor knapp
130 Jahren in Biebrich geboren wurde. Manch einem ist sie besser als
Toni oder Tony Sender bekannt. Sie gehörte von 1920 bis 1933
dem Reichstag an. Eine Flucht in die USA war in der Nazi-Diktatur
unausweichlich. Dort starb sie 1964. Sie war eine leidenschaftliche
Kämpferin für die Demokratie. Mit Begeisterung und unbändigem Elan
warb sie für die Ideale der Freiheit und die Würde des Menschen.
Verschiedentlich wird ihr gedacht – Einrichtungen tragen ihren
Namen, die Stadt Frankfurt vergibt den Tony-Sender-Preis und eine
Akademie der SPD hat sie als Namensträgerin auserkoren. Es wäre
vermessen von mir, erahnen zu wollen, wie sie der heutigen SPD die
Leviten lesen würde. Also, lassen wir es. Eine Rückkehr nach
Deutschland schied für sie aus - „Zu viele Menschen haben
zugeschaut, als dort Niedertracht herrschte.“
Die Würde des
Menschen – selbst im 21. Jahrhundert scheint noch nicht allen klar
zu sein, Menschen sind nicht nur Männer. Und die Würde ist
unantastbar, so will es unser Grundgesetz. Jeder Mensch –
gleich welchen Geschlechts, welcher Herkunft, welcher Religion,
welcher Rasse – ist nach dem Willen unserer Verfassungsväter und
-mütter geschützt vor „Erniedrigung, Brandmarkung, Verfolgung,
Ächtung und ähnlichen Handlungen durch Dritte oder den Staat
selbst“, wie das Bundesverfassungsgericht u. a. am 15. Februar 2006
entschieden hat. Mehr noch, „... zum Wesen des Menschen gehört, in
Freiheit sich selbst zu bestimmen und sich frei zu entfalten, ...“.
Schwierige Sätze für z. B. Religionsgemeinschaften (komisch, dass
hier immer noch keine Konkordate gekündigt wurden) oder auch den DFB
– gut, immerhin erhalten die Nationalspielerinnen mittlerweile
einen ordentlichen Geldbetrag nach dem Gewinn eines internationalen
Wettbewerbs. Das war 1989 nach dem Gewinn der Europameisterschaft mit
der überragenden Marion Isbert noch anders. Da bekam jede
Spielerin als Siegprämie ein Kaffeeservice; zweite Wahl versteht
sich. Wie wohl die männlichen Weltmeister 1990 auf eine solche
Prämie reagiert hätten?
Es
hat sich viel getan. Gut so. Ein weiter Weg. Vom Frauenwahlrecht
1919 (die nordischen
Länder waren da schneller – dafür hat halt Norwegen 1989 das
Finale gegen unsere Fußballerinnen verloren) über die Abschaffung
der Zustimmung zur Kontoeröffnung oder des Abschlusses eines
Arbeitsvertrages bis zur Übernahme von Führungspositionen und der
nahezu unendlichen Amtszeit einer Kanzlerin. Angela
Merkel war in den
90igern einmal Ministerin für Frauen und Jugend. Dieses Ministerium
hieß in der jungen Bundesrepublik Ministerium für
Familienfragen. Und der erste Minister, Franz-Josef
Wuermeling, begriff
sein Ministerium noch als „Abwehrinstanz“ gegen die
Gleichberechtigung der Frau. Gerade mal 60 Jahre her.
Die
große Marianne Adelaide
Hedwig Dohm (1831
– 1919) würde im Grab rotieren. Eine begnadete Schriftstellerin
und Autorin. Ihr Mann Ernst
Dohm war einer der
ersten Redakteure und Chefredakteur der 1848 gegründeten
Satirezeitschrift Kladderadatsch.
Ihn
gilt es in anderem Zusammenhang ausgiebig zu würdigen. Aber, es passt hier durchaus der abgenutzte
Spruch
auch umgekehrt: Hinter jeder erfolgreichen Frau steht oft auch ein
Mann, der sie stützt. Damals noch wichtiger als heute. Immerhin
benennen wir mittlerweile einen modernen ICE nach ihr. Hedwig
Dohm
forderte bereits 1873 das Frauenwahlrecht, und formulierte so
eindringlich: „Die
Menschenrechte haben kein Geschlecht
.“ Sie war für ihre Zeit ziemlich radikal, keine Frage. Ein Zitat
von ihr klingt nach einem Lebensmotto: „Glaube nicht, es muß so sein, weil es so ist und immer
so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe
Möglichkeiten.“ Es
ist Zeit für Veränderungen.
Dabei
ging es ihr nicht nur um Frauenrechte. Im 21. Jahrhundert sind wir
immer noch dabei, Menschen gegeneinander auszuspielen – Junge gegen
Alte, Gesunde gegen Kranke, Frauen gegen Männer, Deutsche gegen
Ausländer, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Es braucht
mehr Würde und Anstand im Umgang miteinander. Aktuell gerade auch in
den Sozialen Medien. Die Form der schnellen Beleidigung und
Herabsetzung ist mehr als besorgniserregend.
Vielleicht
hilft da der 08. März. Brauchen wir ihn? Alice
Schwarzer
hat schon 2010 für eine Abschaffung plädiert. Ich weiß nicht. Das
Datum selbst geht ja auf den
Streik der Frauen in Petersburg 1917 zurück, auch wenn Clara
Zetkin
schon vor dem 1. Weltkrieg in Berlin entsprechende Veranstaltungen
organisiert hatte. Unerschütterlich
hält sich der Mythos vom Streik der Textilarbeiterinnen 1857 (das
Geburtsjahr von Zetkin) in New York. Sei es drum.
Heute
geht es um mehr –
weltweit
erleben wir immer noch eine ungeheuerliche Missachtung von Menschen,
Übergriffe der übelsten Art. Und es gibt noch viel zu tun, wenn man
sich vor Augen führt, dass es
tatsächlich auch Armut in Deutschland (und nicht nur ein
Armutsrisiko) gibt, in vielen Ländern Millionen von Mädchen zu
Eheschließungen
gezwungen werden, unendlich
viele Menschen weiterhin keinen Zugang zu sauberem Wasser haben,
weltweit in 2016 über 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor
Krieg, Konflikten und humanitären Katastrophen waren. Es sind nur
Beispiele, Schlaglichter der Gegenwart. Und dabei habe ich noch gar
nicht über die alltäglichen, irgendwie vermeintlich kleinen und
doch nachhaltigen Würdelosigkeiten, die Achtlosigkeiten und
Respektlosigkeiten, denen wir alle mehr oder weniger Tag für Tag
immer wieder begegnen (und sie vielleicht auch selbst begehen),
geschrieben.
Die
großen Frauenrechtlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts waren immer
auch Freiheitskämpferinnen. Im Gegensatz zu ihren männlichen
Mitstreitern hatten sie aber stets die schwierigere, schlechtere
Ausgangsposition. Ihr
Einsatz, ihr Mut und ihre Visionen für Rechte, die uns
selbstverständlich sein sollten, verdienen daher immer wieder
besonderer Beachtung und Würdigung. Sie wussten aber auch, Freiheit,
Demokratie und Gleichheit braucht soziale Gerechtigkeit. Was für
eine wunderbare Aufgabe gerade auch für unsere neue Bundesregierung.
Und dabei geht es, bei allem Respekt, nicht um Sprache oder gar
einzelne Worte, es geht um Taten!
Bildnachweis:
Von unbekannt - Büro des Reichstags (Hg.): Reichstags-Handbuch 1928,
IV. Wahlperiode, Verlag der Reichsdruckerei, Berlin 1928.
Freitag, 28. Juli 2017
Drei Weine für Trump, Erdogan und Putin
Sind
wir noch im Sommerloch? Die Autobauer haben ein Kartell gebildet. Das
ist ja mal eine ganz neue Erkenntnis und Geschichte. Früher, ja
früher, da gab es wenigstens noch richtige Sommerloch-Themen.
Mallorca als 12. oder 17. Bundesland, 5,00 Euro für den Sprit,
Gammelfleisch – oh, Verzeihung, Gammelfleischskandale gab es eher
immer im Winter, da wird ja auch nicht gegrillt. Aber, selbst die
Straßenschlachten beim G20-Gipfel eignen sich scheinbar nicht für
ein fortwährendes Thema im Sommer, von den Beschlüssen der 20
Mächtigen dieser Welt ganz zu schweigen.
Nähern
wir uns doch einfach wieder unseren Lieblingsfeinden: Trump, Erdogan,
Putin und Konsorten. Gerade an Trump und Erdogan arbeiten sich die
Deutschen Medien ja regelrecht ab, beim SPIEGEL muss es ein eigenes
24-Stunden-Trump-Einsatzteam geben. Da fällt mir doch ein Zitat von
Mark Twain aus seinem Buch 'Bummel durch Deutschland' ein: „Meiner
Ansicht nach stiftet eine deutsche Zeitung keinen nennenswerten
Nutzen, allerdings richtet sie auch keinen Schaden an. Das ist ein
sehr großes Verdienst und sollte nicht als unbedeutend erachtet
werden.“
Die
drei Staaten- und vermeintlichen Weltenlenker trinken wahrscheinlich
gar keinen Alkohol, machen schoppenfreie Politik. Dies wäre den
Friedensnobelpreisträgern Churchill und Brandt nie passiert. Und
unser erster Bundespräsident Theodor Heuss hätte solche
Politdarsteller gar nicht erst empfangen. Bruno Kreisky hingegen
hätte sie noch nicht einmal ignoriert. Wunschdenken im verregneten
Sommerloch. Bestimmt. In der Politik darf der Gesprächsfaden nie
abreißen. Wichtig!
Also,
was machen wir mit den drei Kameraden? Ich empfehle ihnen einfach
drei Weine. Natürlich beginne ich mit dem Präsidenten einer
ehemaligen britischen Kolonie, Donald Trump. Er hat ja jetzt einen
neuen Kommunikationsdirektor, Anthony Scaramucci. Jener hat erst
kürzlich, damit er eine Regierungsaufgabe übernehmen kann, sein
Unternehmen verkauft. An Chinesen. America first! Darauf muss man
erst einmal kommen.
Empfehlen
möchte ich den beiden für ein Briefing einen Rheingauer Wein. Der
3. Präsident und Autor der Unabhängigkeitserklärung, Thomas
Jefferson, war ein bekennender Freund Rheingauer Weine. Wie Trump
hatte auch Jefferson deutsche Wurzeln. Warum Jefferson am Mount
Rushmore verewigt ist,
darüber könnte der amtierende US-Präsident vielleicht einmal bei
einem 2015er
Hochheimer Königin Victoriaberg Riesling Trockenbeerenauslese
VDP.Grosse Lage aus
dem Weingut Flick in Wicker nachdenken.
Fürwahr, ein Jahrhundert-Wein, mit großer Aromenvielfalt, edler
Süße. zugleich doch noch irgendwie verschlossen, mit geradezu
majestätischer Substanz. Ein Wein der
noch in Jahrzehnten seine positive Wirkung nicht verfehlt.
Der Weinberg ist eine Monopollage, benannt nach Queen Victoria, die
hier mit ihrem Gatten 1845 weilte. Der deutsche Prinzgemahl
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha hatte nicht nur die Organisation
der ersten Weltausstellung 1851 in London übernommen, er ist auch
für seine Sorge um die Arbeiterschaft bekannt. Brandsichere
Arbeiterwohnungen mit Wasserleitungen und Toiletten wurden auf seine
Initiative hin errichtet – der geneigte Leser schmunzelt, damals
geradezu eine soziale Revolution.
Kommen
wir zu meinem speziellen Freund, Recep
Tayyip Erdoğan. Ihm
empfehle ich einen Wein aus dem Weingut Bibo-Runge:
2015er
Rheingau Riesling Revoluzzer trocken
Der
Wein, in Ruhe im Halbstück gereift, präsentiert sich mit intensiven
Aromen, frisch und zugleich mit einem wunderbaren Säurespiel, voller
Kraft und doch dezent. Langlebig! Das noch junge Weingut sitzt in
Hallgarten. Hier lebte und
wirkte Adam von Itzstein (1775 – 1855), der „Vertreter der
Volksrechte“. In Mainz studierte er zusammen mit seinem späteren
Gegner Klemens Wenzel von Metternich. Itzstein kämpfte für
Bürgerrechte und Demokratie. Engagiert beim Hambacher Fest, mutig in
Baden, lenkend in der Nationalversammlung und immer ausgleichend,
bezeichnet ihn Metternich als ersten „eigentlich praktischen
Radikalen.“ 1838 formuliert Adam von Itzstein einen noch heute
gültigen Satz zur Pressefreiheit: „Ohne Preßfreiheit giebt es gar
keinen wahren Staat, sondern bloß einen großen Volkskerker, den
einzelne Bevorrechtigte nach Belieben öffnen und schließen können.“
Wie
komme ich jetzt auf Wladimir Wladimirowitsch Putin? Dem russischen
Fürsten
würde ich einen 2012er JUWEL Spätburgunder QbA trocken
aus der Krone in Assmannshausen einschenken.
Gewachsen auf Burgunderreben
in den Lagen Höllenberg und Frankenthal. Beeindruckend und voller
Eleganz, samtig und seidig, man riecht und schmeckt Waldfrüchte,
Nüsse, Kakao, Nougat, Schokolade und Bourbon Vanille. Ein echtes
Kraftpaket. Das Hotel Krone in Assmannshausen ist eine
traditionsreiche Adresse. Seit 1541. Kaiser, Könige und große
Staatsmänner kehrten hier ein. Lange weilte auch der
Freiheitsdichter Hermann
Ferdinand Freiligrath (1810
– 1876) im Haus. Ein Zimmer erinnert noch heute an ihn. In seinem
Gedicht „Trotz alledem!“ heißt es:
„Die
Waffen, die der Sieg uns gab,
Der Sieg des Rechts trotz alledem,
Die nimmt man sacht uns wieder ab.“
Der Sieg des Rechts trotz alledem,
Die nimmt man sacht uns wieder ab.“
Und
an anderer Stelle:
„Wir
wissen doch: die Menschlichkeit
Behält
den Sieg trotz alledem!“
Ich
gebe es zu, mit den genannten Potentaten unserer Zeit möchte ich gar
keinen Wein trinken. Sie haben keine Ahnung von Klasse und Stil.
Donnerstag, 20. Juli 2017
Aus Lanzen werden Winzermesser
Kennen
Sie Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch? Wahrscheinlich nicht. Seinen
Werken ist der eine oder andere schon begegnet – möglicherweise im
Treptower Park in Berlin oder im Park neben dem UNO-Hauptquartier in
New York. Vielleicht sein berühmtestes Werk – Schwerter zu
Pflugscharen. Ein Heros schmiedet aus einem Schwert einen Pflug.
Sozialistischer Realismus mitten in den USA. Irgendwie spannend und
aktuell. Steht dort seit dem 04. Dezember 1959. Die Russen hatten
weniger die Bibelstellen bei Jesaja oder Micha im Sinn. Sie wollten
einen sichtbaren Beitrag zur UN-Friedenscharta leisten.
Der
bedeutende Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer
entwickelte daraus im Herbst 1983 im Lutherhof zu
Wittenberg eine sehr symbolträchtige Aktion: Ein Handwerker
schmiedete vor viertausend Teilnehmern des Kirchentages aus einem
Schwert einen Pflug. „Schwerter zu Pflugscharen“ - das Symbol und
Motto der Friedensbewegung. Nun werden Russen und später die vielen
Friedensaktivisten nicht immer den biblischen Kontext bei ihren
Aktionen vor Augen gehabt haben. Wahrscheinlich sogar eher seltener.
Heißt es doch bei Jesaja (2,4) schon vor mehr als 2700 (!) Jahren:
„Er
spricht Recht im Streit der Völker,
er
weist viele Nationen zurecht.
Dann
schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern
und
Winzermesser aus ihren Lanzen.
Man
zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr
für den Krieg.“
Aus
Lanzen werden Winzermesser. Was für eine schöne Vorstellung. Jetzt
sind Winzer ja eh nicht so die kriegerischen Kämpen. Meist sind es
filigrane Charaktere oder komplexe Typen, wie ihre Weine. Ihre
Heimat- und Bodenverbundenheit verleiht ihnen ein gerüttelt Maß an
Geduld. Unvergessen die nette Anekdote über die Rheingauer Winzer,
die sich bei der 'Revolution' gegen den Herzog von Nassau 1847
verspäteten, weil sie auf ihrem Weg von Lorch bis Wiesbaden
unterwegs in jedem Ort von der Bürgerschaft hinreichend mit Wein
versorgt wurden. So kam die Rheingauer Abordnung eben 'dreivertels
besoffe' zu spät. Ganz anders die Mosel-Winzer. Nahezu 2000 Winzer
stürmten am 25. Februar 1926 das Finanzamt in Bernkastel-Kues. Auch
eine nette Vorstellung. Ihnen blieb aber damals kaum eine andere
Wahl, ihre Existenz stand auf dem Spiel – schwierige Weinjahre,
enorme Verschuldung der Winzerfamilien und eine exorbitant hohe
Weinsteuer. Aus Frankreich kennen wir ähnliche 'Aufstände' in den
Jahren 1907 im Languedoc und 1911 in der Champagne.
Winzer
und Winzerinnen haben in unserer Zeit oft andere Kämpfe zu führen.
Natürlich auch immer wieder mit viel Bürokratie. Und mit
schwierigen Witterungsverhältnissen. Heute ist der Gedenktag der
Heiligen Margareta (in der Ostkirche Marina), eine der vierzehn
Nothelfer. Der Legende nach eine große Kämpferin für den Glauben
im frühen Christentum. Patronin der Bauern. In der katholischen
Pfarrkirche in Erbach im Rheingau ist eine wundervolle Skulptur der
Heiligen zu sehen. Das Wetter am 20. Juli lässt – nach den
Bauernregeln – auf die Ernte schließen. Warten wir es ab. Im
Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Zeitgeist liegen jedoch
aktuell die größten Herausforderungen der Weingüter. Das kann
gelingen.
Beispiele?
Gerne – heute mal ohne Riesling:
Markus
Boor aus Traben-Trarbach – Kirchengut Wolf –
www.kirchengut-wolf.de
Schöner
Trinkgenuss: 2016 Weißburgunder trocken
Alexander
Jung aus Erbach – Weingut Jakob Jung –
www.weingut-jakob-jung.de
Mag
ich: Jung Chardonnay "unoaked" trocken 2015
Michel Andres und Steffen Mugler
aus Ruppertsberg – Sektkellerei Andres + Mugler
Macht
Spaß: 2013er Cuvée Louis Brut
Sonntag, 30. April 2017
Es ist doch nur Politik!
Überall nur noch alternde Halbstarke, Muskelspiele, Hinterhof-Rhetorik. Von Nord-korea bis Washington, von Israel bis Berlin - ein stetiger Wechsel zwischen seichtem Polittheater und weltpolitischem Rugby. Krisenherde werden gepflegt, aus Ressen-timents wachsen aggressive Konflikte, Staatenlenker gerieren sich als Revier-Häuptlinge, die der Psychoanalyse große Freude bereiten würden.
Die Welt ist ein großer Sandkasten. Gerade werden die Förmchen und Schippchen mal wieder neu verteilt, darf nicht jeder mitspielen und wollen alle irgendwie Bob, der Baumeister, sein. Dabei ist den Akteuren ziemlich bewusst, was sie tun.
Vermeintlich lässt sich nationale Identität nur mit Ab- und Ausgrenzung bewahren. Machtdemonstrationen, von den einen bejubelt, von anderen gefürchtet, sind die Folge. Verbale Attacken, Stellvertreterkriege, Verfolgung, Verhaftung und Zerstörung - die Würde der Menschheit wird mit Füßen getreten. Ja, die Würde jedes einzelnen Menschen speist sich aus der Würde für alle Menschen. Und selbst im Alltag, gerade in den Sozialen Medien, macht sich eine Herabwürdigung Andersdenkender, Minder-heiten, Fremder und Schwacher breit, die mich mit Angst erfüllt. Die vielbeschworene Kinderstube, Anstand und Respekt gelten offensichtlich nur für die Angreifenden.
Dabei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder - für die, die es nicht so revolutiönar mögen - Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung die Basis für Bürger- und Staatsverantwortung. Ernster Stoff - zu wichtig, um diese Welt Egomanen zu überlassen! Es braucht mehr aktive Empörung aller. Darüber lohnt sich nachzudenken, beim Gang zu den Kundgebungen am 1. Mai.
Die Welt ist ein großer Sandkasten. Gerade werden die Förmchen und Schippchen mal wieder neu verteilt, darf nicht jeder mitspielen und wollen alle irgendwie Bob, der Baumeister, sein. Dabei ist den Akteuren ziemlich bewusst, was sie tun.
Vermeintlich lässt sich nationale Identität nur mit Ab- und Ausgrenzung bewahren. Machtdemonstrationen, von den einen bejubelt, von anderen gefürchtet, sind die Folge. Verbale Attacken, Stellvertreterkriege, Verfolgung, Verhaftung und Zerstörung - die Würde der Menschheit wird mit Füßen getreten. Ja, die Würde jedes einzelnen Menschen speist sich aus der Würde für alle Menschen. Und selbst im Alltag, gerade in den Sozialen Medien, macht sich eine Herabwürdigung Andersdenkender, Minder-heiten, Fremder und Schwacher breit, die mich mit Angst erfüllt. Die vielbeschworene Kinderstube, Anstand und Respekt gelten offensichtlich nur für die Angreifenden.
Dabei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder - für die, die es nicht so revolutiönar mögen - Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung die Basis für Bürger- und Staatsverantwortung. Ernster Stoff - zu wichtig, um diese Welt Egomanen zu überlassen! Es braucht mehr aktive Empörung aller. Darüber lohnt sich nachzudenken, beim Gang zu den Kundgebungen am 1. Mai.
Mittwoch, 29. März 2017
You'll never walk alone. Wir bleiben Freunde!
Es ist verbrieft. Das Unvermeidbare nimmt Gestalt an. Great Britain und
Little Europe trennen sich. Nun heißt es Abschied nehmen. Die
Trennungsjahre haben begonnen. Es wird eine tränenreiche Scheidung. Auf
beiden Seiten. Dabei mögen wir uns doch. Eigentlich.
Ihr seid so liebenswert mit Euren Traditionen und Eurer großen
Geschichte, Eurem Rechtsverständnis und dem lebhaften Parlament, den
außergewöhnlichen Schriftstellern, Schauspielern und Musikern, Eurer
leicht versnobten Art und Euren spleenigen Lords, der grandiosen
Landschaft, den schnuckeligen Pubs und natürlich mit Eurem Königshaus. Was wären
Arzt- und Friseurbesuche so unendlich langweilig, wenn wir nicht an
jedem Husten bei Königs Anteil nehmen könnten. Wir sind uns verbunden.
Immer schon. Und werden es auch bleiben.
Ihr mögt doch unseren Wein. Immerhin. Das ist doch eine Basis. Gut, Ihr
habt in 2015 nur noch 139.000 hl Wein aus Deutschland importiert (das
entspricht der gesamten Weinproduktion von Ahr, Bergstraße, Mittelrhein
und Sachsen). A good Hock keeps off the doc! Wir wissen um Eure Liebe
zum Riesling. Und wie sagt Hugh Johnson: „Weintrinker sehen gut aus,
sind intelligent, sexy und gesund.“ Recht hat er!
Wein ist Freiheit! William Shakespeare, Francis Bacon, Johann Wolfgang
von Goethe, Peter Ustinov und viele andere wussten und lebten es. Wein
verbindet. Immer. A friend in need is a friend indeed. So war es in den
letzten 70 Jahren. So kann und soll es bleiben.
Den Diplomaten und Verhandlern in Brüssel und London sei ein Zitat
Winston Churchills mit auf den Weg gegeben: „Wenn die Gegenwart über die
Vergangenheit zu Gericht zu sitzen versucht, wird sie die Zukunft
verlieren.“ Trinkt Wein! Getreu dem Motto Goethes: „Für Sorgen sorgt
das liebe Leben. Und Sorgenbrecher sind die Reben.“ To your health!
Little Europe trennen sich. Nun heißt es Abschied nehmen. Die
Trennungsjahre haben begonnen. Es wird eine tränenreiche Scheidung. Auf
beiden Seiten. Dabei mögen wir uns doch. Eigentlich.
Ihr seid so liebenswert mit Euren Traditionen und Eurer großen
Geschichte, Eurem Rechtsverständnis und dem lebhaften Parlament, den
außergewöhnlichen Schriftstellern, Schauspielern und Musikern, Eurer
leicht versnobten Art und Euren spleenigen Lords, der grandiosen
Landschaft, den schnuckeligen Pubs und natürlich mit Eurem Königshaus. Was wären
Arzt- und Friseurbesuche so unendlich langweilig, wenn wir nicht an
jedem Husten bei Königs Anteil nehmen könnten. Wir sind uns verbunden.
Immer schon. Und werden es auch bleiben.
Ihr mögt doch unseren Wein. Immerhin. Das ist doch eine Basis. Gut, Ihr
habt in 2015 nur noch 139.000 hl Wein aus Deutschland importiert (das
entspricht der gesamten Weinproduktion von Ahr, Bergstraße, Mittelrhein
und Sachsen). A good Hock keeps off the doc! Wir wissen um Eure Liebe
zum Riesling. Und wie sagt Hugh Johnson: „Weintrinker sehen gut aus,
sind intelligent, sexy und gesund.“ Recht hat er!
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| Winston Churchill |
Wein ist Freiheit! William Shakespeare, Francis Bacon, Johann Wolfgang
von Goethe, Peter Ustinov und viele andere wussten und lebten es. Wein
verbindet. Immer. A friend in need is a friend indeed. So war es in den
letzten 70 Jahren. So kann und soll es bleiben.
Den Diplomaten und Verhandlern in Brüssel und London sei ein Zitat
Winston Churchills mit auf den Weg gegeben: „Wenn die Gegenwart über die
Vergangenheit zu Gericht zu sitzen versucht, wird sie die Zukunft
verlieren.“ Trinkt Wein! Getreu dem Motto Goethes: „Für Sorgen sorgt
das liebe Leben. Und Sorgenbrecher sind die Reben.“ To your health!
Montag, 7. November 2016
Jetzt mal ehrlich: Wer hat Luthers Hammer?
In Mainz steht einer
der ältesten und wohl schönsten Brunnen der Renaissance. Gestiftet
1526 von Kurfürst Albrecht von Brandenburg, ein großer Kunstmäzen
und Renaissancefürst. Drei Bistümer nannte er sein eigen.
Kostspielig. Politisch mächtig, aber mittellos. Das Mainzer
Domkapitel wählte ihn zum Mainzer Bischof. Aus strategischen und
taktischen Gründen. Ihn selbst darf man getrost als Pfründenjäger
bezeichnen. So etwas kennen wir heute nur noch beim IOC und der FIFA.
Die für die Ernennung durch den Papst notwendigen Palliengelder
hatte er nicht. Seine Heiligkeit Papst Leo X., ein Medici, gestattete
ihm zur Zahlung die Durchführung eines Ablasses - „Wenn das Geld
im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ Und das
alles zur Finanzierung des Peterdoms in Rom.
Dank Geld in den
Himmel – wie konnte Luther das nur kritisieren?
Ein geniales
Geschäftsmodell: Erst erklärt man den Menschen ausgiebig ihre
Verwerflichkeit. Dafür müsse man in die Hölle, auf jeden Fall ins
Fegefeuer. Es gibt nur einen Weg der Erlösung – eine
Ablassurkunde. Man setzte einfach eine Lesefähigkeit des Teufels
voraus. Mit so einer Urkunde konnte man sich selbst oder bereits
Verstorbene vor der ewigen Verdammnis bewahren. Klasse! Man zahlt,
erhält Urkunde – fertig fürs Himmelreich. Barzahlung, keine
Reklamation möglich. Alle glücklich und zufrieden. Und so etwas
kritisiert Martin Luther. Spielverderber!
Ich mag Luther.
Daher glaube ich, er hat den Disput, nicht die Provokation gesucht.
Bestimmt hat Luther, ein Professor, gar nicht 1517 in Wittenberg
gehämmert. Da waren seine Oberen von ganz anderem Kaliber. Bischöfe,
ja sogar Päpste haben mit Schwertern mächtig in Schlachten sich
gegenseitig den wahren Glauben um die Ohren gehauen. Jahrhundertelang
haben sich Christen untereinander, Christen gegen Juden, Christen
gegen Moslems, Moslems gegen Moslems, Moslems gegen Juden – einfach
alle immer wieder – im Namen des einen, richtigen unendlichen
Gottes bekriegt. Töten im Namen des lebensspendenden Gottes. Unsere
Päpste und Bischöfe waren da immer ganz vorne dabei. Immer für den
rechten Glauben kämpfen. Und als Luther ihn gefunden zu haben
glaubte, war er schon wieder ungläubig. Dafür zahlen wir heute
Kirchensteuern, die wiederum Papst Benedikt XVI., kein zwingender
Freund der Protestanten, 2011 in Freiburg massiv kritisierte.
Vielleicht wäre die Frage der Kirchensteuer eine 96. These
geworden... .
96. These? Wider
der Kirchensteuer?
![]() |
| War es der Hammer eines Zimmermanns? |
Ja, Luther war und
ist wichtig. Als Katholik, auch noch römischer, ist mir eben diese
gesamte römische Cesarennachbildung in jedem katholischen
Gottesdienst höchst unangenehm. Nicht nur mit Weihrauch wird hier
vernebelt, bestimmt, gelenkt. Gerade die katholische Kirche ist eine
echte Verbotskirche! Da freue ich mich ganz besonders über zwei
Lieder im evangelischen Gesangbuch; alleine für diese hat sich die
Reformation schon gelohnt. Klar und deutlich, der Kern unseres
christlichen Glaubens und meiner ganz persönlichen Hoffnung:
1. Du kannst nicht
tiefer fallen als nur in Gottes Hand (Nr. 533)
2. Ein' feste Burg
ist unser Gott (Nr. 362)
Eine Legende will
es, dass Martin Luther das Lied 'Ein' feste Burg ist unser Gott'
erdichtete, als er auf dem Weg nach Worms am 15. April 1521 Station
in Oppenheim machte, und von seinem Zimmer den Blick auf die mächtige
Burg Landskron hatte.
Ausgerechnet in
Worms, wo Martin von Tours (der 1200 Jahre vor dem Thesenanschlag
geboren wurde) wenige Meter entfernt vom Versammlungssaal der
Reichsfürsten eingekerkert gewesen sein soll, weil er Soldat Christi
sein wollte und nicht mehr Offizier des römischen Kaisers.
Ausgerechnet hier, wo eine bedeutende Papstwahl stattfand, wo ein
anderer Papst aufwuchs, und strenggläubige Juden ihren großen
Gelehrten Raschi verehren, da erklärt sich Martin Luther. Mit einem
Satz, den er wahrscheinlich gar nicht gesagt hat, aber, er passt.
Wer hat Luthers
Hammer?
„Hier
stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!", soll
Luther gesagt haben. Legende, wie wir heute wissen. Legende ist auch
der Thesenanschlag. Die Wissenschaft ist sich heute
einig, er hat die Thesen nicht angeschlagen. Er hat einen regen
Briefverkehr mit vielen namhaften Gelehrten und Geistlichen jener
Zeit geführt.
Und doch ist er auch
Opfer politischer Intrigen geworden. Das wichtige und ernsthafte
Anliegen Luthers wurde zum Gegenstand kriegerischer und
machtpolitischer Auseinandersetzungen. Verbrannte Erde – getötete
Menschen. Immer wieder für Macht, Geld, Einfluss. Jedes Mittel war
okay. Verleumden, Aushungern, Zerstören, Morden. Im Namen Gottes.
Die Mainzer
bezeichnen den Marktbrunnen als 'warnende Spende' des Kurfürsten.
Nach den Bauernkriegen wurde den Bürgern der Stadt die kurfürstliche
Macht und Herrschaft mit diesem kunstvollen Geschenk vor Augen
geführt. Gönnerhaft. 500 Jahre später inszenieren kirchliche
Würdenträger aller Konfessionen noch immer. Die Kirchensteuer macht
es möglich.
Martin Luther würde
dafür deftige Formulierungen finden. Und mit dem Hammer kräftig
reinhauen.
Dienstag, 25. Oktober 2016
Die Buchmesse vorbei, die Trauben gelesen, Europa gescheitert – wieder einmal
Wäre ich dem
freundlichen Lächeln der Hostessen auf der Buchmesse gefolgt, so
hätte ich mindestens ein Dutzend weiterer Tageszeitungen und
Zeitschriften abonniert. Da war ganz schön was los auf der
Buchmesse. Mehr als 7100 Aussteller, unendlich viele Bücher,
Zeitungen und Zeitschriften, Kataloge und Kalender; überbordende
Informationen in Dutzenden von Sprachen aus aller Welt. Es ist ein
Allgemeinplatz: Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatten so
unendlich viele Menschen freien Zugang zu Informationen und Wissen
wie heute. Und doch überfordert uns die Informationsgesellschaft,
lädt ebendiese zu Verschwörungstheorien aller Art ein. Nicht
Fakten, Meinungen zählen. Ein postfaktisches Zeitalter. Wir könnten
so unendlich viel wissen, und doch wollen wir nur glauben, was wir
vermeintlich wissen.
Vom „Ewigheutigen“
spricht Safranski. Wir kommunizieren in die Breite, nicht in die
Tiefe. Dank Twitter und Facebook wissen wir oft, was Menschen denken
bevor sie nachgedacht haben. Abwägen und Überlegen, „die
Blickrichtung zu ändern“ wie Carolin Emcke fordert, scheint für
viele Menschen eine Zumutung zu sein. Übrigens, ich freue mich über
den Friedenspreis für sie.
Erntezeit
Es ist Herbst.
Erntezeit. Und auch Verlage wollen 'ernten'. Volle Auftragsbücher
für sie, interessante Angebote im Buchhandel für uns, neue Verträge
für Autoren. Alle bereiten sich auf den Winter und das nächste
Jahr, das Jahr der Reformation, vor. Klar, viele kirchliche Medien
präsentierten sich gerade deshalb auf der Buchmesse.
In Landwirtschaft
und Weinbau war und ist ebenfalls Erntezeit. Von geistigen zu
kulinarischen Genüssen. Bei den vielen Kochbüchern auf der
Buchmesse und den wirkungsvollen Kochshows müsste man sich sicher
keine Sorgen mehr um unsere Ernährung machen. Wieso kommt mir dieser
simple Spruch 'Die Menschen kaufen sich einen Grill für 800 Euro und
legen 10 Bratwürste für 99 Cent drauf' in den Sinn? Egal!
Es war ein
schwieriges Jahr für Bauern und Winzer. Achtung, eine solche Aussage
bedeutet Preiserhöhungen im nächsten Jahr. Gerade die Winzer
konnten aber in den letzten Tagen noch hohe Qualitäten ernten. Mehr
als ärgerlich, wenn einem Winzer dann, wie im Rheingau geschehen,
die Trauben am Stock geklaut werden. Für die Familie Russler in
Walluf nicht nur ein finanzieller Verlust von mehr als 10.000,--
Euro. Kraft und Mühen letztlich umsonst. Es geht auch um beste
Weinqualitäten, die man einfach nicht mehr auf den Markt bringen
kann.
Dabei müssen die
Räuber sehr professionell in der Steillage am Werk gewesen sein. 10
Erntehelfer brauchen wenigstens drei bis vier Stunden für die
Rebzeilen. Ein Versehen? Bestimmt nicht. Gut organisierter Diebstahl.
Darth Vader war auf der Buchmesse – wieder einmal. Raum für
Verschwörungstheorien.
Verschwörungstheoretiker
lasst mich in Ruhe!
Für alles und jedes
gibt es ja heute eine Verschwörungstheorie. Beliebt sind gerade
diese, die unsere Demokratie betreffen, die Europa in Frage stellen.
Dabei war die Welt so einfach, als es zwei Blöcke gab. Dort der böse
Osten, hier der gute Westen. Ist nicht mehr. Jetzt wird überall
Manipulation vermutet. Vielleicht manipulieren sich die
Verschwörungstheoretiker auch einfach nur selbst.
Europa hat es eben
nicht leicht. Misstrauen, nationale und regionale Interessen, Angst
vor Neuem und Unbekanntem. Möglicherweise sind unsere politischen
Strukturen nicht zeitgemäß, sind Politik, Verwaltung, wir alle
einfach überfordert. Erst Griechenland, dann Flüchtlingskrise,
jetzt CETA – es ist verdammt schwierig für unseren Wohlstand einen
gesellschaftlichen Konsens zu erzielen. Carolin Emcke formuliert es
treffend in ihrer Dankesrede zum Friedenspreis des Deutschen
Buchhandels: „Demokratie ist keine statische Gewissheit, sondern
eine dynamische Übung im Umgang mit Ungewissheit und Kritik.“
Und nun auch noch
die Reichsbürger. Ich habe mir mal das Reichsbürgergesetz von 1935
angeschaut. Nein! Keine Option für Deutschland. Was macht
Deutschland aus? Preußische Tugenden, rheinische Lebensart und
bayrische Kost? Vielleicht. Deutschland ist aber mehr. Hrabanus
Maurus und Bonifatius gehören dazu, Luther und viele andere. Denken
wir doch Deutschland und Europa karolingisch. Und wenn man alles zu
Ende denkt, dann sind wir alle vielleicht auch ein klein wenig Römer.
Gut, dass Ingo Zamperoni die Tagesthemen moderiert.
Mittwoch, 29. Juli 2015
Kennen Sie Voltaire?
Klar, der hat doch den
kategorischen Imperativ geformt: "Handle
nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass
sie ein allgemeines Gesetz werde." Der
ist zwar von Immanuel Kant, dieser Tage aber sicher mehr als
beachtenswert.
Hier
war es in letzter Zeit sehr still. Ich habe wenig geschrieben. Mein
eigener Anspruch macht mich zuweilen wort- und der Alltag sprachlos.
Was haben wir vor der Sommerpause für ein Gipfeltheater gehabt. Hier
ein Gipfel, da ein Sondergipfel und dann ein nächtlicher Gipfel.
Europa wird fragwürdig. Erst geht es um 7 Milliarden, jetzt wird
über 86 Milliarden verhandelt. Verhandelt! Dafür so unendlich viele
Gipfel vorher… Nebenbei kann man sich nicht über die Unterbringung
von 60.000 Flüchtlingen im christlichen Abendland einigen. Und in
Deutschland: Der Bundestag beschließt immer mehr Gesetze, die
entweder gegen europäisches Recht oder deutsches Verfassungsrecht
verstoßen. Da wird man sprachlos, es wächst Gleichgültigkeit,
Schweigen.
Alles
Schweigen muss ein Ende haben
Und
jetzt lese ich: 202 Übergriffe auf Asyl- und Flüchtlings-unterkünfte
alleine im 1. Halbjahr 2015 in Deutschland. Da darf man nicht mehr
still sein! Nicht nach der Gutmenschen-Art betroffen und insgeheim
mit der Freude darüber, das keine Asylbewerber in der Nachbarschaft
sind. Ein Übergriff wäre schon schlimm, aber 202 – das ist ein
gesellschaftlich-politisches Problem, nein, noch tragischer, es ist
ein Drama!
Natürlich
braucht eine Demokratie unterschiedliche Auffassungen und Meinungen,
sie braucht Extreme. Eine Demokratie muss das aushalten! Aber, Gewalt
gegen Menschen?
Mir
gefällt auch nicht jeder Mensch in unserem Land. Manchmal sehe ich
z.B. dicke Frauen in Leggins gepresst, Männer in Shorts mit weißen
Strümpfen und Sandalen, Glatzköpfe mit unerträglichen Westen und
noch viel mehr. Demonstriere ich deswegen gegen sie, zünde ich ihre
Häuser an? Ich will sie nicht sehen. Und doch haben sie einen
Anspruch auf eigene Entfaltung, auf ihr eigenes Leben in Würde und
Freiheit. Wie Schwule, Lesben, Andersdenkende, Andersgläubige und
eben auch Flüchtlinge.
Was
für ein Vergleich, wird manch einer denken. Toleranz fängt in
Kleinigkeiten an, in den eigenen vier Wänden, im eigenen kleinen
persönlichem Umfeld.
Konfuzius
hat einst formuliert: „Begegne
den Menschen mit der gleichen Höflichkeit, mit der du einen teuren
Gast empfängst. Behandle sie mit der gleichen Achtung, mit der das
große Opfer dargebracht wird. Was du selbst nicht wünschst, das tue
auch anderen nicht an. Dann wird es keinen Zorn gegen dich geben –
weder im Staat noch in deiner Familie.“ Und
Isokrates sagt: „Tut anderen Menschen nicht an, worüber ihr empört
wäret, wenn ihr es selbst erfahren müßtet. Was immer ihr mit
Worten verurteilt, dies setzt auch niemals in die Tat um.“
Hilf
allen, soweit du kannst
Es
genügt Arthur
Schopenhauer: „Verletze
niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst.“ Eine
regula aurea, eine Goldene Regel des Lebens besagt: Behandle andere
so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Als Sprichwort ist uns
die Kernaussage der
Fabel des Aesops vom
Adler und dem Fuchs
bekannt: „Was du nicht willst was man dir tu', das füg’ auch
keinem andern zu.“
Den
Straftätern, die Flüchtlinge angreifen, Unterstützer bedrohen,
Unterkünfte anzünden, sei gesagt, sie wollen ein System der
Willkür. Ein solches System kennt keine Grenzen, jeder kann dort
Opfer werden. Selbst die Protagonisten.
Fast
hätte ich Voltaire
vergessen.
Er schrieb
in seinem Plädoyer für Toleranz 1763: „Aber noch klarer ist, daß
wir uns wechselseitig dulden müssen; denn alle sind wir schwach,
schwankend und der Unbeständigkeit wie dem Irrtum verfallen.“
Dienstag, 23. Juni 2015
Es braucht mehr Empörung!
Die
Jubiläen sind vorbei. Keiner hat es so richtig gemerkt. Es
interessiert auch nicht mehr.
Da
ist zunächst die große Magna Carta Libertatum. Oh, was für eine
Urkunde für die Freiheit. Ja, das verbriefte Recht der Freiheit im
Jahre 1215 (die Urkunde heißt zwar erst seit 1217 so, aber egal).
Nur, es ging um Freiheit wie Fürsten sie definierten. Es ging nicht
um Wahlrecht, Mitbestimmung, Gleichheit der Stände. Nein! Es ging um
Machtbegrenzung des Königs. Jener war ein unglücklicher Herrscher:
Johann Ohneland, der Bruder von Richard Löwenherz – wir erinnern
uns hier eher an Robin Hood, der engagiert den Sheriff von Nottingham
bekämpfte.
Und
schon verschwimmen Wirklichkeit und Fiktion. Über Jahrhunderte
interessierte niemanden wirklich in England die Magna Carta.
Gleichzeitig faszinierte damals wie heute der Kampf von Robin gegen
staatliche Willkür (die war nämlich mit der Magna Carta nicht
abgeschafft). In einer Welt unfreier Bürger (wenn man den Begriff
Bürger überhaupt schon verwenden darf) waren die Mythen des
Kämpfers für die Armen und Entrechteten Legende.
Wider
der staatlichen Willkür
Vielleicht
liegt da auch der tiefere Sinn der Magna Carta – eine Begrenzung
des Gottesgnadentums. Wenn auch nur für die Mächtigen, die Barone,
Grafen, Herzöge und Prinzen. Wesentlicher Teil der Magna Carta ist
die Wiedergabe der Charter of Liberties von Heinrich I. (dem jüngsten
Sohn von Wilhelm dem Eroberer – hier sei nur an den einzigartigen
Teppich von Bayeux erinnert). Dem Adel werden grundlegende Rechte
verbrieft. Damit wird andererseits die Unterstützung für den König
gewonnen. Wir kennen das.
Kennen
wir alles
Im
Grunde bräuchten wir gar nicht neidvoll nach England zu schielen.
Mit der Karolingischen Renovatio erleben wir nicht nur ein Aufblühen
antiker Geistesvorstellungen, wir erleben klare Rechtssetzungen in
Deutschland. Ihr größter Verfechter ist Hrabanus Maurus, der 856 in
Winkel, im heute ältesten Steinhaus Deutschlands – dem Grauen Haus
–, verstorben ist. Wir kennen den Mainzer Landfrieden von 1235, der
Verfassungsrang im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hatte.
Dem geht 1103 der Erste Mainzer Reichslandfrieden voraus – man muss
z.B. eine Fehde drei Tage vorher ankündigen … . Aus der Mitte des
13. Jahrhunderts seien hier noch der Sachsenspiegel und das
Mühlhäuser Reichsrechtsbuch erwähnt. Von großer Bedeutung für
unsere Geschichte ist zweifelsohne die Goldene Bulle von 1356, die
letztlich auf dem Kurverein von Rhens fußt, und zugleich Frankfurt
am Main zum Krönungsort macht.
Man
darf sicher die Behauptung aufstellen, dass das Heilige Römische
Reich Deutscher Nation aufgrund seiner starken föderalen Ausrichtung
schon sehr früh verlässliche Regeln für den Zusammenhalt brauchte.
Die sieben Kurfürsten, die den Deutschen König wählten, waren
weniger vom Gottesgnadentum sondern eher von der jeweiligen
Arrondierung ihrer Machtsphären beseelt. Das schränkte zunächst
zentralstaatliches Handeln ein, führte aber auch öfter zu
kriegerischen Auseinandersetzungen.
Gewahrt
blieb letztlich regionale Autonomie und Souveränität. Wichtiger
aber, es gab kein wirkliches politisches und kulturelles Zentrum.
Dies führte zugleich bei kultureller Vielfalt zu unterschiedlichen
Entwicklungen der Ideen von Freiheit und Gleichheit. Reformation und
30jähriger Krieg haben nicht zuletzt in der Schwäche des
Zentralstaats ihre Ursache.
Napoleon
vielleicht der wahre Sieger
![]() |
| Bekannter als seine Bezwinger: Napoleon |
Mit
Napoleon, diesem Aufsteiger aus dem Nichts, erfährt Deutschland
erstmals nach Karl dem Großen wirkliche zentralstaatliche Macht. Mit
vernünftigen Rechtssetzungen. Vielleicht mögen wir den großen
Verlierer von Waterloo deshalb immer noch. Zumindest ist er deutlich
bekannter als all die, die ihn besiegten. Ich mag ihn. Alleine, wegen
seiner Einschätzung von Champagner – 'Nach dem Sieg bekommst Du
ihn, nach der Niederlage brauchst Du ihn.'
Er
hatte einen Traum von Europa. Den hatten die Herren des Wiener
Kongresses auch. Ihnen ging es im Kern um die Verhinderung neuer
Vormachtstellungen, zugleich schufen sie die Voraussetzungen dafür.
Randstaaten wurden stark, alte Zentralmächte geschwächt. Die Basis
für neue Rivalitäten war geschaffen. So ist es bis heute. Leider!
Aus
der Geschichte lernen
Es
ist verpönt. Klischeehaft. Wir nehmen Geschichtsdaten immer wieder
gerne als Beweis von Wissen zur Hand. Bedauerlicherweise fehlt
unserer Gesellschaft oft ein verständiger Wille. Europa und
staatliche Ordnung wachsen aus dem Verständnis kultureller und
ethnischer Vielfalt. Es braucht keine Einheitlichkeit. Es braucht das
gegenseitige politische Einverständnis. Dies setzt Wissen, Einsatz
und verschiedentlich auch, wie Stéphane Hessel schrieb, Empörung
voraus. Das Schlimmste, ist nach seinen Worten, die Gleichgültigkeit.
Die macht sich breit in Europa. Es ist der Nährboden für extreme
politische Strömungen. Deswegen lohnt es sich immer wieder an
Ereignisse der vergangenen Jahrhunderte zu erinnern. Männer und
Frauen aus allen Schichten haben immer wieder für Freiheit gekämpft.
Wir haben sie. Vermeintlich!
Mittwoch, 3. Juni 2015
Ein Blatter macht noch keinen Sommer
Leute, Leute, Leute!
Es geschieht doch noch etwas. Ich dachte schon an Stillstand.
Deswegen war es hier auch so ruhig. Aber, die Erde, nein zumindest
der Fußball dreht sich doch! Erst der HSV, jetzt der Sepp. Was für
Zeiten.
1215. Die Welt steht
mal wieder still. Klar, nur in England. Die Barone, sozusagen das
Exekutivkomitee des alten Englands, trotzen dem König Johann Ohneland
machtvolle Rechte ab. Wir feiern das Papier gerne als Vorläufer
unserer heutigen demokratischen Verfassungen. Johann war eine
tragische Figur. Sein Bruder Richard Löwenherz lässt jedes
Bubenherz hörbar schlagen. Nun, jener Richard geriet auf dem
Kontinent in Gefangenschaft. Heinrich VI. und Leopold V. erpressten
viel Geld für seine Freilassung. Heinrich investierte es letztlich
in die Entwicklung von Worms und Speyer; Leopold gründete damit die
Wiener Neustadt. Wenn Großbritannien – als Rechtsnachfolger des
damaligen Englands – heute seinen Verbleib in der EU von der
Rückzahlung der damals horrenden Zahlungen abhängig machen würde,
sie bräuchten kein Referendum für ihren Austritt. Die Geschichte
der Magna Carta folgt im übernächsten Blog.
Die Macht der
Bilder
Man könnte glauben,
Blatter sei damals schon dabei gewesen. Ewig hat er in unserer
Wahrnehmung die Schlagzeilen, den Fußball und die Bilder bestimmt.
Ihm ging es immer um die Macht der Bilder. Um die Fernsehrechte. Sepp
Blatter war damals aber nicht dabei, er war nur 17 Jahre Präsident
der FIFA. Dank der Amerikaner ist das jetzt vorbei. Ausgerechnet die
USA. Deren Verfassung ruht auf der Magna Carta. Gut. Guantanamo lässt
grüßen. Vielleicht gibt es doch schon länger den Blatter Sepp als
Menschenrechte in den USA.
Deren
Friedensnobelpreisträger und Präsident bespricht sich am Wochenende
mit sechs anderen beim G7-Treffen ohne den achten, Russlands Putin.
Der ist nämlich böse, auch weil der die WM 2018 gekauft hat. Weil
sich aber die sieben Großen der Welt jetzt treffen, setzen wir auch
mal schnell die Rechte außer Kraft, deren Fehlen wir in Russland so
beklagen. Bei diesem Gipfel (wir haben mehr Gipfel als Berge) werden
wieder einmal die Probleme gelöst, die die Großen schon seit Jahren
gelöst haben wollten.
Blatter sagte beim
Kongress in Zürich vor ein paar Tagen, „Ich habe damit nichts zu
tun.“. Gemeint war natürlich die Korruption bei der FIFA. Dieser
Satz hat in unserer Welt Allgemeingültigkeit. Keiner hat mit
irgendwelchen Dingen auf dieser Welt zu tun. Und täglich grüßt das
Murmeltier. Es gibt wichtigere und drängendere Probleme, die wie in
einer Endlosschleife immer wieder vor unserem Auge sind. Wir erfahren
so unendlich viel und wissen nichts! Weil nichts passiert. Ukraine,
Griechenland, der Terror in den arabischen Staaten, die
Flüchtlingsdramen – mehr als 1800 registrierte Flüchtlingstote
alleine bisher in diesem Jahr. Die Bilder verblassen. Wir leben in
einer Welt der kollektiven Unverantwortlichkeit. Das wird sich nach
dem x-ten Gipfel nicht ändern.
Wir haben nie was
hingeblattert!
Aber Blatter
bestimmt die Nachrichten. Das hat er schon vor vier Jahren, vor acht
auch. Klar, auch bei seiner ersten Kandidatur 1998. In den letzten
Jahren konnten immer wieder die gleichen Texte abgeschrieben werden.
Übrigens, wir Deutschen haben damit nichts zu tun. Bei uns werden
keine großen Summen für Fernsehrechte hingeblattert. Und unsere
Fußball-Funktionäre sind immer wieder aufs Neue irritiert, wenn sie
teure Uhren in ihren Werbetaschen finden.
Einer hatte Mut in
Zürich: Der Brite David Gill. Vielleicht wird er sich an den Kampf
gegen Johann Ohneland erinnert haben.
Samstag, 21. März 2015
Hätten sie doch nur Wein getrunken!
Wein weitet den Geist, öffnet
das Herz, lädt zum friedlichen, fröhlichen und geselligen Leben
ein. Der Schwarze Block vom vergangenen Mittwoch in Frankfurt hat
zumindest keinen Wein getrunken. Mit Sicherheit auch keinen
Apfelwein. Nicht aber, weil sie sich der Fastenzeit verschrieben
haben, sie brauchten einen kühlen und klaren Kopf bei ihren
geplanten, strategisch ausgefeilten Gewaltaktionen.
![]() |
| Johann Adam von Itzstein |
Vielleicht
wäre Ihnen bei einem Glas Wein die Bedeutung des 18. März für
unsere Geschichte bewusst geworden. Allerdings glaube ich, sie haben
noch nie etwas von Georg Forster, Adam Lux, Kaplan Arensberger,
Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth, Johann Adam
von Itzstein, Joseph Fickler, Johann Philipp Becker,
Louise Otto-Peters, Mathilde Franziska Anneke, Hedwig Dohm und
vielen anderen gehört.
Von
den Gewalttätern in Frankfurt, es waren keine Chaoten, unterscheidet
diese Revolutionäre etwas ganz besonderes: Sie waren die Gestalter
der Mainzer Republik, die am 18. März 1793 ausgerufen wurde,
Organisatoren des Hambacher Festes bzw. wichtige Protagonisten des
Berliner Aufstandes vom 18. März 1848 – all dies mündete in die
deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Sie
standen und stehen mit ihrem Namen und ihrem Gesicht
für den unbedingten Willen zur Veränderung, sie waren
Freiheitskämpfer! Sie nahmen persönliche Einschränkungen und
Repressalien für eine neue Demokratie in Kauf. Und auch die Kämpfer
für die Volkskammerwahl am 18. März 1990 in der ehemaligen DDR
hatten ein hohes, persönliches Risiko zu tragen.
![]() |
| Tanz um den Freiheitsbaum 1793 |
Ganz
anders am 18. März 2015 in Frankfurt: Vermummte führen ganz
gezielte und ausgesprochen professionell geplante gewalttätige
Attacken durch. Dabei sind bewusst die Gefährdung und Verletzung von
Menschen eingeplant. Nicht anders ist zum Beispiel das Werfen eines
Brandsatzes in ein Polizeiauto mit Insassen zu bewerten. Die
Behinderung von Rettungskräften ist ein weiteres Beispiel für diese
durch nichts zu rechtfertigende Gewalttätigkeit in Frankfurt.
Die
Organisatoren der Demonstration machen es sich zu einfach, wenn Sie
erschrocken sind über das Ausmaß der Gewalt oder darauf verweisen,
dass die Polizei nicht deeskalierend gewirkt habe. Ich will hier
nicht auf die vielen herunterspielenden Aussagen eingehen. Bewegungen
wie Occupy und Blockupy müssen sich nicht nur distanzieren, sie muss
sicherstellen, dass es in keiner Weise eine Verbindung zwischen
berechtigten demokratischen Anliegen und geplanter Gewalttätigkeit
gegen Mensch und Eigentum gibt. Der Hinweis auf Wut rechtfertigt
keine Gewalt! Es gibt für diese Aktionen keine Entschuldigung. Da
sind auch DIE LINKEN und VERDI gefordert.
Wo stehen Occupy und Blockupy?
![]() | |
| Occupy Frankfurt |
Wer
sich die Facebook-Seite von Occupy Frankfurt anschaut, ist über das
Profilbild überrascht. Vermummte fordern: „Besetzt die Welt“.
Ich dachte, das Ziel der ganzen Demonstrationen sei eine Befreiung,
eine Revolution zur Veränderung und Verbesserung von
Lebensbedingungen auf der ganzen Welt. Dieses Profilbild lädt jedoch
jedoch zur Vermutung der Nähe zum schwarzen Block in Frankfurt ein.
Kritik und Demonstration muss sein!
Ja,
so unendlich viele politische Entscheidungen und Maßnahmen sind
kritikwürdig. Es ist nicht hinnehmbar, dass man mit Spekulationen
auf Nahrungsmitteln Geld verdient; dass auf Zinseinkünfte ein
niedriger Steuersatz zu entrichten ist als auf Arbeitseinkünfte;
dass wir einer der größten Waffenlieferanten dieser Welt sind; dass
wir in Europa eine Wirtschafts- und Finanzunion geschaffen haben,
aber keine Sozialunion; dass mit Steuergeldern gerettete Banken heute
wieder ungeheure Boni auszahlen. Es gibt so viele Themen und
Vorgänge, die angegriffen werden müssen. Ja, jetzt, hier und
überall.
Dankbar
bin ich, dass ich in einem Land mit Grund- und Freiheitsrechten lebe,
wo ich all überall diese Kritik äußern und für Veränderungen
eintreten kann; wo Menschen, wie die 150 verletzten Polizeibeamten in
Frankfurt, für meine Freiheitsrechte einstehen. Das ist Demokratie.
Die gilt es zu erhalten und dafür gilt es zu kämpfen. Mit Worten
und Taten. Nicht mit Gewalt!
Übrigens,
im Revolutionsjahr 1793 gab es im Rheingau „einen sehr guten und
starken Wein, aber sehr wenig“, wie wir der Rheingauer Geschichts-
und Wein-Chronik aus dem Jahre 1854 entnehmen können. Im Jahr der
Frankfurter Nationalversammlung 1848 war „der Wein ziemlich gut,
dem 1826er ähnlich.“ Weiter heißt es in der Chronik: „Der
Weinhandel lag in Folge der bewegten Zeiten ganz darnieder, Niemand
wollte kaufen, weil Jeder fürchtete, daß er seines Eigenthums
beraubt würde.“
![]() | |
| Rheingauer Geschichts- und Wein-Chronik 1854 |
Freitag, 13. März 2015
Auch das noch!
Ohne Ende Blogs. Jeder und Jede hat einen. Jetzt auch noch ich. Ja, da ist er. Mein Blog über Wein und Leben. Hier ist nicht alles anders, manches vielleicht ungewohnt, vieles einfach nur klar, präzise und prägnant.
Wein kann manchmal so einfach sein!
Ich bin bekennender Weintrinker. Wein muss schmecken. Es gibt nur zwei Arten von Wein: Wein, der schmeckt, und Wein, der eben nicht schmeckt. Das darf in meiner Gedankenwelt immer und überall jeder für sich selbst entscheiden. Oft verzweifle ich an den so wunderbar geschriebenen und erlesenen Bewertungen über Wein. Wein ist ein Lebensmittel. Dabei gilt: Nur eine verkaufte Weinflasche ist eine gute Weinflasche. Dies vor Augen, darf man getrost manche Beschreibung und Bewertung landauf und landab für sich selbst relativeren.
Wein ist Persönlichkeit. Wein ist Geschichte. Darum geht es hier. Lesen werden Sie in diesem Blog Artikel über Weingeschichte und -kultur, über die so oft verräterische Weinsprache. Weingenuss soll und muss Freude bereiten. Gerade viele, kleine, nahezu unbedeutende Weingüter haben so besondere Weine mit spannender Geschichte zu bieten. Sie werden es lesen. Weingenuss muss auch nicht teuer sein. Sie werden es sehen.
Ein Leben ohne Wein?
Unvorstellbar! 'Was hat der für ein Leben, der des Weins entbehrt', heißt es in der Bibel (in der mehr als an 400 Stellen der Wein erwähnt wird). Der große persische Mystiker und Dichter Dschalal ad-Din Muhammad Rumi schrieb im 13. Jahrhundert: 'Wein ist ein Regen für den Seelen-Garten.'
In der Rubrik Prägnantes Leben geht es aber weniger um Wein. Bei einem Glas Wein (und vielleicht einer Zigarre) wird hier der Alltag in all seinen Facetten betrachtet. Werden Fragen aufgeworfen und diskutiert.
Es war alles schon einmal da...
Nein. Manchmal lohnt sich allerdings ein Blick in die Geschichte. Hier und da wiederholt sie sich auch - mit anderen Akteuren, zu neuen Zeiten. Blicken wir gemeinsam in Archive, auf Geschehnisse und Aussagen längst vergangener Tage. Die Zeit beleuchten, damit wir das Heute verstehen. Darüber können Sie bei Alles wird Geschichte lesen.
Ich freue mich auf diesen Blog. Nicht allen wird alles gefallen. Vielleicht fühlen Sie sich von dem einen oder anderen Beitrag angesprochen. Lassen Sie es mich wissen. Gerne greife ich auch Ihre Hinweise und Empfehlungen auf.
Jetzt ist er da. Der Blog von Markus Hebgen.
Ihnen allen einen wunderschönen, erholsamen Abend und ein tolles Wochenende.
Wein kann manchmal so einfach sein!
Ich bin bekennender Weintrinker. Wein muss schmecken. Es gibt nur zwei Arten von Wein: Wein, der schmeckt, und Wein, der eben nicht schmeckt. Das darf in meiner Gedankenwelt immer und überall jeder für sich selbst entscheiden. Oft verzweifle ich an den so wunderbar geschriebenen und erlesenen Bewertungen über Wein. Wein ist ein Lebensmittel. Dabei gilt: Nur eine verkaufte Weinflasche ist eine gute Weinflasche. Dies vor Augen, darf man getrost manche Beschreibung und Bewertung landauf und landab für sich selbst relativeren.
Wein ist Persönlichkeit. Wein ist Geschichte. Darum geht es hier. Lesen werden Sie in diesem Blog Artikel über Weingeschichte und -kultur, über die so oft verräterische Weinsprache. Weingenuss soll und muss Freude bereiten. Gerade viele, kleine, nahezu unbedeutende Weingüter haben so besondere Weine mit spannender Geschichte zu bieten. Sie werden es lesen. Weingenuss muss auch nicht teuer sein. Sie werden es sehen.
Ein Leben ohne Wein?
Unvorstellbar! 'Was hat der für ein Leben, der des Weins entbehrt', heißt es in der Bibel (in der mehr als an 400 Stellen der Wein erwähnt wird). Der große persische Mystiker und Dichter Dschalal ad-Din Muhammad Rumi schrieb im 13. Jahrhundert: 'Wein ist ein Regen für den Seelen-Garten.'
In der Rubrik Prägnantes Leben geht es aber weniger um Wein. Bei einem Glas Wein (und vielleicht einer Zigarre) wird hier der Alltag in all seinen Facetten betrachtet. Werden Fragen aufgeworfen und diskutiert.
Es war alles schon einmal da...
Nein. Manchmal lohnt sich allerdings ein Blick in die Geschichte. Hier und da wiederholt sie sich auch - mit anderen Akteuren, zu neuen Zeiten. Blicken wir gemeinsam in Archive, auf Geschehnisse und Aussagen längst vergangener Tage. Die Zeit beleuchten, damit wir das Heute verstehen. Darüber können Sie bei Alles wird Geschichte lesen.
Ich freue mich auf diesen Blog. Nicht allen wird alles gefallen. Vielleicht fühlen Sie sich von dem einen oder anderen Beitrag angesprochen. Lassen Sie es mich wissen. Gerne greife ich auch Ihre Hinweise und Empfehlungen auf.
Jetzt ist er da. Der Blog von Markus Hebgen.
Ihnen allen einen wunderschönen, erholsamen Abend und ein tolles Wochenende.
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