Leute, Leute, Leute!
Es geschieht doch noch etwas. Ich dachte schon an Stillstand.
Deswegen war es hier auch so ruhig. Aber, die Erde, nein zumindest
der Fußball dreht sich doch! Erst der HSV, jetzt der Sepp. Was für
Zeiten.
1215. Die Welt steht
mal wieder still. Klar, nur in England. Die Barone, sozusagen das
Exekutivkomitee des alten Englands, trotzen dem König Johann Ohneland
machtvolle Rechte ab. Wir feiern das Papier gerne als Vorläufer
unserer heutigen demokratischen Verfassungen. Johann war eine
tragische Figur. Sein Bruder Richard Löwenherz lässt jedes
Bubenherz hörbar schlagen. Nun, jener Richard geriet auf dem
Kontinent in Gefangenschaft. Heinrich VI. und Leopold V. erpressten
viel Geld für seine Freilassung. Heinrich investierte es letztlich
in die Entwicklung von Worms und Speyer; Leopold gründete damit die
Wiener Neustadt. Wenn Großbritannien – als Rechtsnachfolger des
damaligen Englands – heute seinen Verbleib in der EU von der
Rückzahlung der damals horrenden Zahlungen abhängig machen würde,
sie bräuchten kein Referendum für ihren Austritt. Die Geschichte
der Magna Carta folgt im übernächsten Blog.
Die Macht der
Bilder
Man könnte glauben,
Blatter sei damals schon dabei gewesen. Ewig hat er in unserer
Wahrnehmung die Schlagzeilen, den Fußball und die Bilder bestimmt.
Ihm ging es immer um die Macht der Bilder. Um die Fernsehrechte. Sepp
Blatter war damals aber nicht dabei, er war nur 17 Jahre Präsident
der FIFA. Dank der Amerikaner ist das jetzt vorbei. Ausgerechnet die
USA. Deren Verfassung ruht auf der Magna Carta. Gut. Guantanamo lässt
grüßen. Vielleicht gibt es doch schon länger den Blatter Sepp als
Menschenrechte in den USA.
Deren
Friedensnobelpreisträger und Präsident bespricht sich am Wochenende
mit sechs anderen beim G7-Treffen ohne den achten, Russlands Putin.
Der ist nämlich böse, auch weil der die WM 2018 gekauft hat. Weil
sich aber die sieben Großen der Welt jetzt treffen, setzen wir auch
mal schnell die Rechte außer Kraft, deren Fehlen wir in Russland so
beklagen. Bei diesem Gipfel (wir haben mehr Gipfel als Berge) werden
wieder einmal die Probleme gelöst, die die Großen schon seit Jahren
gelöst haben wollten.
Blatter sagte beim
Kongress in Zürich vor ein paar Tagen, „Ich habe damit nichts zu
tun.“. Gemeint war natürlich die Korruption bei der FIFA. Dieser
Satz hat in unserer Welt Allgemeingültigkeit. Keiner hat mit
irgendwelchen Dingen auf dieser Welt zu tun. Und täglich grüßt das
Murmeltier. Es gibt wichtigere und drängendere Probleme, die wie in
einer Endlosschleife immer wieder vor unserem Auge sind. Wir erfahren
so unendlich viel und wissen nichts! Weil nichts passiert. Ukraine,
Griechenland, der Terror in den arabischen Staaten, die
Flüchtlingsdramen – mehr als 1800 registrierte Flüchtlingstote
alleine bisher in diesem Jahr. Die Bilder verblassen. Wir leben in
einer Welt der kollektiven Unverantwortlichkeit. Das wird sich nach
dem x-ten Gipfel nicht ändern.
Wir haben nie was
hingeblattert!
Aber Blatter
bestimmt die Nachrichten. Das hat er schon vor vier Jahren, vor acht
auch. Klar, auch bei seiner ersten Kandidatur 1998. In den letzten
Jahren konnten immer wieder die gleichen Texte abgeschrieben werden.
Übrigens, wir Deutschen haben damit nichts zu tun. Bei uns werden
keine großen Summen für Fernsehrechte hingeblattert. Und unsere
Fußball-Funktionäre sind immer wieder aufs Neue irritiert, wenn sie
teure Uhren in ihren Werbetaschen finden.
Einer hatte Mut in
Zürich: Der Brite David Gill. Vielleicht wird er sich an den Kampf
gegen Johann Ohneland erinnert haben.